
Angriff auf unsere Schullandschaft oder eher verantwortungsvolles Handeln?

„Angriff auf unsere Schullandschaft“, so lautet der letzte Satz der Stellungnahme der Schulpflegschaft der Gesamtschule, vertreten durch Jan Roth und Julia Boekhold, die erneut für sich beanspruchen, im Namen aller Eltern der Gesamtschule zu sprechen. Auffällig ist jedoch, dass viele Eltern von dieser Initiative nichts wissen. Erlaubt sein muss daher die Frage: Haben die Vorsitzenden der Schulpflegschaft tatsächlich eine Mehrheit innerhalb der Schulpflegschaft eingeholt? Und weiter, wurde diese Mehrheit wiederum von den Eltern der jeweiligen Klassen oder Jahrgangsstufen legitimiert, so, wie es für eine Stellungnahme im Namen aller Eltern erforderlich wäre?
Ohne diese Rückkopplung bleibt die Behauptung, für die Gesamtelternschaft zu sprechen, zumindest fragwürdig. Wer politische Forderungen erheben möchte, sollte dies auf der Basis transparenter demokratischer Verfahren tun und im Bestfall selbst konstruktiv in der Politik mitarbeiten. Die Forderung nach einer Wirtschaftlichkeitsrechnung ist für uns daher kein Angriff auf unsere Schullandschaft, sondern das genaue Gegenteil, nämlich die Basis für verantwortungsvolles Handeln.
Schulpflegschaft ist keine politische Bühne
Die veröffentlichte Stellungnahme ist weder mit allen Eltern abgesprochen noch repräsentiert sie die gesamte Elternschaft. Es handelt sich aus unserer Sicht erneut um eine Initiative, die vor allem die Perspektive einzelner Beteiligter des früheren „Masterplan Schulen“ widerspiegelt, die einzig die Interessen ihrer eigenen Schule in den Mittelpunkt stellen. Damit wird die Schulpflegschaft zur Platzierung politischer Botschaften verwendet, was der eigentlichen Funktion dieses Gremiums nicht gerecht wird.
Auch im Wahlkampf waren vergleichbare Vorgehensweisen auf Seiten der Gesamtschule bereits Thema und wurden durch die Bezirksregierung beanstandet. Die demokratische Entscheidung bei der Kommunalwahl hat hier einen klaren Rahmen gesetzt und den politischen Willen nach Veränderung bestätigt.
Bildungsqualität entsteht im Inneren der Schule und nicht im Mauerwerk
Die Stellungnahme reduziert Bildungsqualität stark auf bauliche Aspekte. Dabei wird übersehen, dass das Lernen besonders geprägt wird durch:
• Leitungshandeln
• Lehrkräfte
• pädagogische und organisatorische Konzepte
• ein verlässliches Regelwerk
• ein gesundes Schulklima
Probleme in diesen Bereichen können nicht pauschal auf Gebäude geschoben werden. Ein Neubau allein löst keine inneren strukturellen Herausforderungen.
Finanzielle Auswirkungen müssen realistisch betrachtet werden
Bei der Forderung nach einem Komplettneubau werden die finanziellen Folgen weitgehend ausgeblendet. Die bisher diskutierten Zahlen basieren teilweise auf veralteten Daten, weshalb eine aktualisierte, belastbare Wirtschaftlichkeitsanalyse zwingend notwendig ist.
Die Kosten für eine solche Prüfung stehen in keinem Verhältnis zu den Gesamtkosten des Gesamtprojekts und sind daher gut investiert, gerade im Sinne der Generationengerechtigkeit, die allen Bürgerinngen und Bürgern am Herzen liegen sollte.
„Container pädagogisch untragbar?“ Eine unbelegte Behauptung!
Die Pauschalbehauptung, Unterricht in Containern sei „pädagogisch nicht tragbar“, ist weder belegt noch konsistent. Andere Schulen, wie beispielsweise das HHG, machen seit Aufstellung der Container im Rahmen der AdHoc Maßnahmen gegenteilige Erfahrungen, wo Containerbereiche von vielen Schülerinnen und Schülern durchaus positiv bewertet werden.
Solche Argumente sollten daher mit Vorsicht verwendet werden und durch nachvollziehbare Fakten unterlegt sein.
Demokratische Entscheidungen verdienen Respekt
Der bisherige Masterplan war über Jahre hinweg umstritten. Die politischen Mehrheiten haben sich verändert und die Kommunalwahl hat deutlich gemacht, dass ein ungeprüftes „Weiter so“ von der Mehrheit der Mettmannerinnen und Mettmanner nicht unterstützt wird.
Eine erneute Prüfung auf Basis aktueller Zahlen, wie sie in einem demokratischen Prozess üblich ist, sollte daher nicht als „Angriff auf die Schullandschaft“ interpretiert werden. Eine sachliche Überprüfung ist keine Bedrohung, sondern Teil verantwortungsvoller Politik.
Inklusion als pauschales Neubauargument ist wenig hilfreich
Der Verweis auf Inklusion als zwingendes Neubauargument überzeugt in dieser Form nicht. Wenn man daraus eine generelle Neubaupflicht ableitet, müsste konsequenterweise die gesamte Mettmanner Schullandschaft infrage gestellt werden, was nicht realistisch und für die Debatte wenig hilfreich ist.
Pädagogische Qualität ist unabhängig vom Gebäudestil erreichbar
Ob Altbau oder Neubau: Entscheidend ist die Qualität der pädagogischen Arbeit und der schulischen Strukturen. Moderne Lernkonzepte können auch in sanierten Bestandsgebäuden erfolgreich umgesetzt werden.
Worum es im Kern wirklich geht
Die aktuellen Herausforderungen liegen vor allem im pädagogischen und organisatorischen Bereich, nicht primär in der Gebäudestruktur. Eltern sollten sich ein umfassendes, realistisches Bild machen und sich nicht von einseitigen Darstellungen wie in dieser seitens an die Fraktionen gerichteten Stellungnahmen und Aufrufe in informellen Kommunikationskanälen verunsichern lassen.
Es ist wichtig, die Interessen der Kinder aktiv zu vertreten. Strukturelle Probleme durch die Gebäudefrage zu überlagern, hilft niemandem weiter, am allerwenigsten den Kindern, die vor Ort mit den Situationen klarkommen müssen.
Fazit
Ob Neubau oder Sanierung muss auf Basis aktueller und verlässlicher Zahlen entschieden werden. Eine aktualisierte Wirtschaftlichkeitsuntersuchung ist hierfür zwingend notwendig und verursacht im Verhältnis zu den Gesamtkosten nur einen sehr kleinen Aufwand. Welche Lösung am Ende die beste ist, sollte das Ergebnis dieser Prüfung sein. Diese Transparenz und Offenheit sind wir der Stadt Mettmann und damit selbstverständlich auch den Schülerinnen, Schülern und den Eltern schuldig.